Das gesellige Miteinander hat beim Verein „Geben und Nehmen“ einen hohen Stellenwert.  Foto: Verein

 

 

 

 

 

 

Artikel aus rheinische Anzeigenblätter Extrablatt 26.08.22

Redakteur Iris Zumbusch-Czepuck aus Königwinter

 

Zeit ist ein hohes Gut

 

Gegenseitige Hilfe mit dem Verein "Geben und Nehmen"

  

Königswinter. Das Prinzip „Geben und Nehmen“ ist ein ganz altes der Menschheitsgeschichte. Von jeher haben Menschen einander unterstützt, sogar unterstützen müssen, um zu überleben. Das sinnvolle Prinzip lässt sich auf unsere Gesellschaft übertragen, wenngleich sich die Notwendigkeit des Gebens und Nehmens verlagert hat. Wir hierzulande leben im Überfluss. Da sollte doch für jeden alles vorhanden sein ... sollte man meinen. Doch die Familienstrukturen haben sich verändert. Die Zeit der Mehrgenerationen, die einander unterstützen können etwa im Wohnumfeld, ist lange vorbei. Viele ältere Menschen leben alleine und das bis ins hohe Alter. Oft fehlt es da an Unterstützung in handwerklichen Bereichen, beim Einkaufen oder auch - und das wird immer bedeutsamer - an geselligem Miteinander. Das Zusammenseinkönnen ist auch eine Form von Geben und Nehmen.

Der Verein „Geben und Nehmen“ in Königswinter hat genau das im Blick. Die Mitglieder des Vereins bringen ihre gegenseitigen Hilfen auf den Punkt oder genauer: Auf den Zeit-Punkt. Es geht darum, einander Zeit zu geben und diese mit entsprechender Hilfeleistung zu füllen. Im Verein gibt es eine Liste mit vielseitigen Angeboten der Unterstützung. Mehr als 300 unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten sind dort zu finden. Von A bis Z gibt es querbeet nahezu alles: Ausleihen von Apfelpresse, Betonmischer oder Anhänger, Beratungen jedweder Art, Büsche schneiden, Fahrdienste, Gesundheitscoaching, Gesellschaftsspiele, Papierkram, Restaurierung von Puppen, Schneidern, Stricken, Tanzen, Tiere betreuen, vegetarisches Essen zubereiten, Vorlesen, Wohnung renovieren oder Zeichnen und Malen lernen. Auch Trauerbegleitung, Gespräche gegen die Einsamkeit oder Lebensberatung werden angeboten. Einige Mitglieder des Vereins haben oft langjährig in entsprechend sozialen Berufen gearbeitet, sodass diese herausfordernden Bereiche auch fachlich gut eingebettet sind.

„Wir brauchen auch junge Leute im Verein“, erklärt die Vereinsvorsitzende Gabriele Neuse-Schülgen. Deshalb seien junge Familien herzlich willkommen. 2011 hat sich der Verein gegründet, seine Wurzeln liegen in der Aktion „Aktiv im Alter“. Mit acht Leuten hat alles begonnen. „Heute sind wir 100 mehr“, freut sich die Vorsitzende. „Als wir begonnen haben, haben wir uns auch an anderen Vereinen dieser Art orientiert“. Gut sei es, wenn die Hilfen möglichst in der Nähe des eigenen Wohnortes des Helfenden angeboten werden könnten. „Wir sind räumlich auf Königswinter beschränkt“, so Neuse-Schülgen. Geld wird für die Hilfen nicht bezahlt, sondern es werden Punkte gesammelt. Seit Beginn der Vereinsgründung bis heute (Stand 28.6.22) wurde 844 Mal geholfen und das in 1441,25 Stunden. Spitzenreiter bei den Hilfeanfragen sind die kleinen Reparaturen und die Hilfen am Computer, gefolgt von Gartenarbeiten oder Begleitung bei Spaziergängen. Große Arbeiten indes werden nicht angeboten, wie etwa ein ganzes Haus anstreichen. Da müssen Fachbetriebe bestellt werden. Wichtig für Interessierte sei zudem, dass man auch Vereinsmitglied werden kann, wenn man Hilfe in Anspruch nimmt und aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nur sehr wenig oder gar nicht geben kann. Politisch sei der Verein auch nicht, betont die Frontfrau des Vereins.

 

Was übrigens Viele tatsächlich oft Überwindung kostet, ist Hilfe anzufragen. Das fühlt sich unangenehm an, ist manchen peinlich oder man ist es nicht gewohnt, Hilfe anzunehmen. Aber so ein Verein lebe vom „Nehmen“. Daher würde versucht, solche Hürden abzubauen. Koordiniert werden die Hilfen über Gabriele Neuse-Schülgen oder Geschäftsstellenleiter Günter Reiner. Wichtig bleibt die soziale Komponente im Verein. Einmal im Monat (jeder erste Mittwoch) gibt es ein Treffen, stets an unterschiedlichen Orten im Berg- oder Talbereich von Königswinter. Freundschaften haben sich längst entwickelt, privat werden Unternehmungen gestartet. Wer mitmachen möchte, kann sich an Gabriele Neuse-Schülgen wenden unter 02223-4088 oder unter geben.nehmen.53639@gmx.de melden.

Artikel Rundblick Siebengebirge 16. Juli 2022
Artikel Rundblick Siebengebirge 16. Juli 2022

Bericht im GA vom 15.07.2022


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            Artikel aus dem General-Anzeiger Weihnachten 2020 

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Artikel in der Bonner Rundschau vom 1.2.2017



Bonner Rundschau Dez. 2016:


 

 

  Artikel General-Anzeiger von der Preisverleihung am Ehrenamtstag 17.11.2014 

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Königswinter. Das Prinzip ist so alt wie die Menschheit: Jemand gibt etwas und erhält dafür etwas anderes. Beim Königswinterer Verein Geben & Nehmen jedoch heißt die Währung nicht Geld, sondern Zeit: Zeit zum Spazierengehen oder zum Vorlesen; Zeit, um mit den Kindern zu spielen, das Grab auf dem Friedhof neu zu bepflanzen oder bei Computer-Problemen zu helfen.

 

Projekt Nachbarschaftshilfe

Express 29.06.2011

Für anderthalb Stunden Bügeln bekommt Götz Straube drei Punkte auf seinem Mitgliederkonto gutgeschrieben. Erhält der Berghausener dann selbst Hilfe, wird pro halbe Stunde ein Punkt abgebucht.

 

„Tausche gebügelte Hemden gegen Gartenarbeit“ – so könnte Götz Straube eine Anzeige in der Zeitung oder im Internet formulieren. Doch seit Kurzem ist das überflüssig – dank des Vereins „Geben & Nehmen“.

„Ich kann vielleicht nicht besonders gut bügeln und mache es auch nicht sonderlich gerne, aber ich bügele seit Jahrzehnten meine Hemden selbst. Also kann ich das auch für andere“, sagt Götz Straube (68) am Bügeltisch.

Rund anderthalb Stunden braucht er für die zehn Hemden, die ihm zum Bügeln von „Geben & Nehmen“ vermittelt worden sind. Denn Vereinsmitglied Irene Müller ist berufstätig – und bekommt momentan beim Bügeln nicht die Kurve.

Seit drei Wochen ist der Vorstand um Gabriele Neuse-Schülgen (64) aktiv. „Im Zuge der städtischen Aktion »Aktiv im Alter« haben wir überlegt, was man alles so tun kann“, so die Vorsitzende. Heraus kam eine erweiterte Nachbarschaftshilfe: „Jeder kann etwas und jeder braucht etwas. Wir vermitteln quasi die Hilfestellung.“

Ob es dabei um gebügelte Hemden geht, den Anschluss eines neuen Druckers an den Computer, Unterstützung beim Einkauf ist ganz egal. Neuse-Schülgen: „Die Leistungen werden nicht in Geldwert bemessen, sondern rein nach Zeitaufwand.“ Für jede halbe Stunde geleistete Hilfe erhält das leistende Mitglied einen Punkt, der dem Empfänger vom Konto abgezogen wird.

Missbrauch ist nicht ausgeschlossen, wird aber scharf beobachtet. „Wenn wir merken, dass Einzelne immer nur empfangen, ohne etwas zurückzugeben, werden sie nicht mehr vermittelt“, sagt Vorstandsmitglied Günter Reiner (70), der die mittlerweile 103 angebotenen Hilfestellungen in einer Datenbank verwaltet.

Und was wünscht sich der Hemdenbügler Straube als Gegenleistung (wobei die nicht vom Besitzer der Hemden kommen muss)? „Noch kann ich eigentlich alles selbst. Doch auf den 1000 qm Grundstück fällt viel Gartenarbeit an, da wird sicher die Zeit kommen, wo ich da Hilfe brauche.“

Kontakt zum Verein über die Stadt, Telefon 02244/889339.