Artikel in der Bonner Rundschau vom 1.2.2017


Bonner Rundschau Dez. 2016:



Hilfe auf Gegenseitigkeit:

Königswinter. Das Prinzip ist so alt wie die Menschheit: Jemand gibt etwas und erhält dafür etwas anderes. Beim Königswinterer Verein Geben & Nehmen jedoch heißt die Währung nicht Geld, sondern Zeit: Zeit zum Spazierengehen oder zum Vorlesen; Zeit, um mit den Kindern zu spielen, das Grab auf dem Friedhof neu zu bepflanzen oder bei Computer-Problemen zu helfen.

 

Projekt Nachbarschaftshilfe

Express 29.06.2011

Für anderthalb Stunden Bügeln bekommt Götz Straube drei Punkte auf seinem Mitgliederkonto gutgeschrieben. Erhält der Berghausener dann selbst Hilfe, wird pro halbe Stunde ein Punkt abgebucht.

 

„Tausche gebügelte Hemden gegen Gartenarbeit“ – so könnte Götz Straube eine Anzeige in der Zeitung oder im Internet formulieren. Doch seit Kurzem ist das überflüssig – dank des Vereins „Geben & Nehmen“.

„Ich kann vielleicht nicht besonders gut bügeln und mache es auch nicht sonderlich gerne, aber ich bügele seit Jahrzehnten meine Hemden selbst. Also kann ich das auch für andere“, sagt Götz Straube (68) am Bügeltisch.

Rund anderthalb Stunden braucht er für die zehn Hemden, die ihm zum Bügeln von „Geben & Nehmen“ vermittelt worden sind. Denn Vereinsmitglied Irene Müller ist berufstätig – und bekommt momentan beim Bügeln nicht die Kurve.

Seit drei Wochen ist der Vorstand um Gabriele Neuse-Schülgen (64) aktiv. „Im Zuge der städtischen Aktion »Aktiv im Alter« haben wir überlegt, was man alles so tun kann“, so die Vorsitzende. Heraus kam eine erweiterte Nachbarschaftshilfe: „Jeder kann etwas und jeder braucht etwas. Wir vermitteln quasi die Hilfestellung.“

Ob es dabei um gebügelte Hemden geht, den Anschluss eines neuen Druckers an den Computer, Unterstützung beim Einkauf ist ganz egal. Neuse-Schülgen: „Die Leistungen werden nicht in Geldwert bemessen, sondern rein nach Zeitaufwand.“ Für jede halbe Stunde geleistete Hilfe erhält das leistende Mitglied einen Punkt, der dem Empfänger vom Konto abgezogen wird.

Missbrauch ist nicht ausgeschlossen, wird aber scharf beobachtet. „Wenn wir merken, dass Einzelne immer nur empfangen, ohne etwas zurückzugeben, werden sie nicht mehr vermittelt“, sagt Vorstandsmitglied Günter Reiner (70), der die mittlerweile 103 angebotenen Hilfestellungen in einer Datenbank verwaltet.

Und was wünscht sich der Hemdenbügler Straube als Gegenleistung (wobei die nicht vom Besitzer der Hemden kommen muss)? „Noch kann ich eigentlich alles selbst. Doch auf den 1000 qm Grundstück fällt viel Gartenarbeit an, da wird sicher die Zeit kommen, wo ich da Hilfe brauche.“

Kontakt zum Verein über die Stadt, Telefon 02244/889339.